Herr Kuhn möchte im nächsten Jahr Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen werden. Das ist eine gute Erklärung für seine überraschende Kehrtwende vom konsequenten Gegner einer familienfreundlichen Regelung der Schülerbeförderung zum Befürworter der Wiedereinführung der 50,- Euro-Regelung für Kinder, die an örtlich nicht zuständigen Schulen lernen.

Im neu gegründeten Kreistagsausschuss zur Schülerbeförderung wurde dieser Vorschlag allen Ernstes als „Herr Kuhns Idee“ zur Abstimmung gestellt. Wenn der Ausschuss wie geplant nicht öffentlich gewesen wäre, hätten wir von der Initiative Schülerbeförderung dieses Stück Realsatire verpasst und die CDU hätte hoffen können, dass sich niemand daran erinnert, dass gerade sie alle Vorstöße für eine gerechtere Regelung der Schülerbeförderung (in schöner Übereinstimmung mit der SPD) abgeschmettert hat. Insbesondere war sie taub für alle Voraussagen, dass die Streichung des Zuschusses nicht zu den erhofften Einsparungen führt, sondern den VVR um viele Kunden bringen wird. Genau das ist inzwischen eingetreten.

Jetzt wurden im Haushalt plötzlich doch die Gelder gefunden, um diese Fehlentscheidung trotz HASIKO zurückzunehmen, falls der Kreistag zustimmt.

Natürlich wäre das besser als der jetzige Zustand, in dem die Familien, die von ihrem Recht auf freie Schulwahl Gebrauch machen, mit absurd hohen Kosten konfrontiert sind. Es hinterlässt aber bei uns auch die Frage, warum das erst jetzt möglich ist und warum trotz unser jahrelangen Bemühungen und Vorschläge bisher nicht ernsthaft nach einer nachhaltigen Lösung gesucht wurde. Denn die 50,- Euro-Regelung wäre nur bis 2019 abgesichert und kann mit dem Hinweis auf einen angespannten Haushalt sofort wieder gekippt werden.

Der Kreistagsausschuss Schülerbeförderung ist seit Kurzem mit der Suche nach einer langfristigen Lösung beauftragt. Wir haben den Eindruck, dass die Ausschussmitglieder sich engagiert und umfassend mit dem komplexen Thema befassen und eine echte Lösung suchen. Ideen wie auch Modellprojekte in anderen Regionen gibt es dazu viele, notwendig ist die Bereitschaft der Verwaltung und auch des VVR, ihre Fachkompetenz für die Suche nach neuen Wegen einzusetzen, statt nur bestehende Regelungen zu verteidigen.

Natürlich gibt es dabei viele Aspekte, die endlich auf Landesebene angefasst werden müssen. Die Initiative Schülerbeförderung ist dort schon seit Jahren aktiv und bringt immer wieder das Bedürfnis der Familien nach einem funktionierenden und bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr auch auf dem „platten Land“ auf die Tagesordnung.

Immer mehr Akteure, wie z.B. Sportvereine, der Städte und Gemeindetag oder auch die Arbeitgeber im Handwerk stellen sich landesweit hinter diese Forderung, weil der Kahlschlag der Bus- und Zugverbindungen auch ihnen die Zukunft verbaut.

Die Volksinitiative Schülerbeförderung des Kreiselternrats Vorpommern-Greifswald hat bereits über 14 000 Unterschriften für ein landesweites kostenloses Schülerticket gesammelt – hoffentlich ein Signal für den Landtag und die Landesregierung, endlich bessere Rahmenbedingungen für die Zukunft des ÖPNV in unserem Land zu schaffen und die widersprüchliche Regelung der Schülerbeförderung im Schulgesetz zu korrigieren.

Andrea Meyer (Sprecherin der Initiative Schülerbeförderung)

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